Jens Kornmüller, 22.07.2015

"Nach 25 Jahren ist Deutschland ganz gut zusammengewachsen", bilanziert Dr. Claus J. Duisberg die Entwicklung nach der Wiedervereinigung. Die Monate zwischen dem Mauerfall am 9. November 1989 und dem Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 bezeichnete der Top-Diplomat im Zeitzeugengespräch mit den Schülern der Klassen 9d und 10a als die politisch aufregendste Phase seiner langen Karriere im Auswärtigen Dienst.

Duisberg arbeitete damals als Leiter des Arbeitsstabes Deutschlandpolitik im Bundeskanzleramt unter Helmut Kohl aktiv am Einheitsprozess mit. In dieser Schlüsselfunktion war er unmittelbar an den Verhandlungen über den Einheitsvertrag beteiligt. Nach Herstellung der deutschen Einheit war Duisberg für die Abwicklung des Außenministeriums der DDR und ab 1992 für den Abzug der russischen Truppen aus Deutschland zuständig. Von den Herausforderungen und Schwierigkeiten die deutsche Einheit in dem geringen zur Verfügung stehenden Zeitfenster zu verwirklichen, berichtete Duisberg 90 Minuten lang anschaulich den interessiert fragenden Schülern.


 
Als Lehre aus der friedlichen Revolution von 1989 gab er ihnen mit auf den Weg, nicht gleichgültig zu sein, sondern sich zu engagieren und die eigenen Chancen wahrzunehmen: "Es hat nicht immer Erfolg, aber das Beispiel von vor 25 Jahren zeigt: Es kann doch etwas werden."

 

"Es ist auch für uns etwas Besonderes, einen so hochrangigen Zeitzeugen für ein Gespräch mit Schülern zu gewinnen!", freute sich Niels Dehmel, von der Deutsche Gesellschaft e.V., der das Zeitzeugengespräch durch ein Seminar mit beiden Klassen vorbereitet hatte.