Ausstellung über die letzte Trierer KZ-Überlebende Marianne Elikan  

Mit einer Ausstellung über die letzte Trierer KZ-Überlebende Marianne Elikan gedenkt das Max-Planck-Gymnasium der Opfer des Holocaust am 27. Januar 2010. Im Rahmen einer Feierstunde um 14 Uhr wird der Schirmherr Herr Oberbürgermeister Klaus Jensen die Ausstellung eröffnen. Der bekannte Trierer Historiker Dr. Thomas Schnitzler hat die Ausstellung konzipiert und mit dem Leistungskurs Geschichte des 11. Jahrgangs aufgebaut; er wird in einem kleinen Vortrag Konzeption und Inhalt vorstellen. Umrahmt wird diese Veranstaltung von Schülerbeiträgen aus den Jahrgängen 10 und 11.

Marianne Elikan, 1928 als sogenanntes "Mischlingskind" im badischen Durlach geboren, kam 1932 als Pflegekind zu dem jüdischen Ehepaar Wolf nach Wawern. Während des Novemberpogroms wurde das Wohnhaus der Familie von einem Nazi-Schlägertrupp verwüstet. Im Juni 1939 wurden die Wolfs nach Trier zwangsevakuiert. Die Juden lebten dort nun in speziellen „Judenhäusern“, während ihnen im täglichen Leben immer mehr Beschränkungen auferlegt wurden. 

1940 meldete sich bei der Familie unerwartet Mariannes leiblicher Vater. Der „arische“ Vater bot an, seine Tochter bei sich aufzunehmen. Doch einen Besuch bei ihm in Frankfurt empfand Marianne als bedrohlich und sie entschloss sich, trotz des ungewissen Schicksals zu ihren Pflegeeltern zurückzukehren.

Die Trennung der Familie erfolgte zwei Jahre später gewaltsam: 1942 wurde Marianne Elikan alleine in das tschechische Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Die NS-Propaganda stilisierte dieses KZ zu einem „Vorzeigeghetto“ und Altersruhesitz für prominente Juden. In Wirklichkeit war Theresienstadt nichts anderes als eine Durchgangsstation für Auschwitz und die anderen Vernichtungslager. Von 155.000 Insassen wurden 88.000 weiter nach Osten deportiert, rund 35.000 starben in Theresienstadt selbst an Unterernährung, Fleckfieber oder Typhus – Krankheiten, an denen auch Marianne Elikan litt. In ihrem Tagebuch beschreibt sie eindringlich den alltäglichen Schrecken von Theresienstadt. Am Ende gehörte sie zu den wenigen Tausend Überlebenden. Weniger Glück hatten ihre Angehörigen, die in den Vernichtungslagern ermordet wurden. Trotzdem kehrte Marianne Elikan nach ihrer Befreiung nach Trier zurück, wo sie bis 2002 lebte. Allerdings wurde ihr das Erbe ihrer ermordeten Pflegeeltern verweigert.


Tagebuch, Briefe und Gedichte aus Trier und Theresienstadt von Marianne Elikan

Die Ausstellung wird einen Monat lang im Foyer des 1. Stockes des Altbaus zu sehen sein. Nicht nur Geschichtskurse und –klassen sind eingeladen, sich mit diesem dunklen Kapitel der Menschheitsgeschichte anhand dieses konkreten Trierer Schicksals auseinanderzusetzen.

Artikel über die Ausstellung im Trierischen Volksfreund